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Hallöchen

Auch ich gehöre der schreibenden Zunft an, ich habe mein Livejournal noch nicht lange und bin ziemlich erfreut, hier auch eine Schreib-Community gefunden zu haben Ich schreibe, seitdem ich schreiben kann (hört sich zwar dämlich an, aber ich weiss nicht, wie ich es anders beschreiben soll) und früher waren es meistens Altagsgeschichten, aber seitdem ich "Herr der Ringe" gelesen habe, hat mich das Fantasy-Genre fest im Griff.
Ich poste hier einfach mal den Anfang meiner Geschichte hinein, vielleicht hat ja jemand von euch Interesse, sich das Ganze einmal durchzulesen und mir dann vielleicht einen Kommentar dazu zu geben. Kritik ist sehr erwünscht

Prolog

Vom Meer her wehte ein böiger Wind, der, ohne auf ein Hindernis zu stoßen, auf das Land traf. Er warf die Wellen so hoch, dass sie den halben Strand verschluckten und presste den Regen, der ohne Unterlass vom Himmel fiel, gegen die Fenster und Hauswände.
„Wenn es wenigstens schneien würde, wie es sich für einen ordentlichen Winter gehört,“ dachte Andras, der am Fenster des großen Saals stand und aus dem Fenster hinaus auf die aufgewühlte See blickte. „Aber stattdessen regnet es in Strömen. Ich frage mich, was die Geister sich dabei gedacht haben.“
Erneut traf eine Windböe das große Haus auf der Klippe, ließ die Fensterläden klappern, heulte im Kamin und brachte das Feuer fast zum Erlöschen. Andras schauerte und zog den Umhang fester um sich. Da spürte er, wie sich eine kleine, warme Hand in seine schob und als er den Kopf wandte, sah er direkt in die großen, fragenden Augen von Susann, seiner ältesten Tochter. „Wann bekommt Mammi denn jetzt endlich das Kind? Ich will nicht mehr warten, ich will endlich ins Bett gehen!“ quengelte sie, dann zog sie Andras am Arm und wies auf den Tisch: „Maja ist schon eingeschlafen. „
Andras folgte Susanns Arm mit dem Blick und als er seine jüngste Tochter sah, musste er lächeln. Maja hatte bis vor kurzem noch mit ein paar Holzbausteinen gespielt. Jetzt lagen die Bausteine verstreut vor ihr, ihr Kopf lag auf dem Tisch, ihre Augen waren fest geschlossen und halb von ihrem dichten, blonden Haar verdeckt und in ihrer linken Faust hielt sie noch einen von den Bausteinen. Auf ihrem Gesicht lag ein kleines, seliges Lächeln und ihre Wangen waren vom Schlaf gerötet.
Nachdem Andras einen langen Blick auf sie geworfen hatte, zog er seinen Umhang aus und ging zu Maja hin. „Wenn du so müde bist, kannst du natürlich ins Bett gehen,“ sagte er zu Susann, während er Maja vorsichtig in den Umhang hüllte. „Ich dachte nur, du würdest dich vielleicht freuen, wenn du so lange aufbleiben kannst, bis deine Mutter euer neues Brüderchen oder Schwesterchen auf die Welt gebracht hat.“
„Wäre ich ja auch gern, aber das dauert ja so lange,“ meinte Susann und schob die Unterlippe vor. Sie überlegte einen kleinen Augenblick, dann drehte sie sich zum Fenster um, kletterte auf das Fensterbrett, drückte ihre Nase gegen die Scheibe und blickte hinaus. „Papa...“ fing sie an, doch sie wurde von einem völlig durchnässten Mann unterbrochen, der in den Saal gestürzt kam. „Andras!“ rief er. „Hier ist etwas, was du dir unbedingt ansehen solltest!“
Andras ließ von seiner Tochter, der er bis dahin liebevoll über das Haar gestrichen hatte, ab und ging zu dem Mann hin. Es war Laak, einer der Bauern, die ein Stück abseits des Dorfes lebten und dort ihre Felder bewirtschaften. „Was gibt es denn?" wollte er wissen. „Dieser Sturm wird doch nicht irgendeinen Baum umgeworfen haben, der auf ein Haus gefallen...“
„Nein, nein,“ unterbrach ihn Laak hastig und ergriff ihn am Arm. „Es ist etwas anderes, aber ich möchte, dass du kommst und dir selbst ein Bild machst.“
Andras zögerte einen Moment, dann drehte er sich zu Susann um, die immer noch aus dem Fenster sah. „Susann, ich werde eben mit Laak mitgehen und mir ansehen, was passiert ist. Bleib du auf jeden Fall hier und pass mir ja auf Maja auf.“
„Ja, ja,“ erwiderte Susann nur.
Andras wartete kurz, ob sie noch etwas hinzufügen würde, aber sie tat es nicht und er folgte Laak eilig, der mit riesigen Schritten vorwärts strebte. Sie verließen den großen Saal und kamen in die noch größere Halle, von der es links zu Küche und zum Küchengarten ging und von der die beiden Treppen in das obere Stockwerk abzweigten.
Mitten in der Halle stand eine tropfnasse Gestalt, die ein großes, unförmiges Bündel in den Armen hielt. Andras dachte flüchtig an ein verletztes Tier, aber dann verwarf er den Gedanken sofort. Mit einem Tier wären sie nicht zu ihm, sondern zu Tobis gegangen. Er merkte, wie er unwillkürlich den Schritt beschleunigte.
Als sie näher kamen und das Licht der kleinen Fackel, die Laak in der Hand hielt, auf die Gestalten fiel, erkannte Andras, dass es sich um Laaks Sohn Jahran handelte und in seinen Armen trug er kein Bündel sondern einen Menschen, der eng in einen Umhang gewickelt war.
Andras spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte. „Du liebe Zeit, es wird doch keiner vom Blitz getroffen oder anderweitig verletzt worden sein!“ rief er erschrocken und bemerkte in diesem Moment, dass die Gestalt auf Jahrans Armen seltsam unförmig unter dem Umhang erschien.
„Nein, mach dir keine Sorgen, alle im Dorf sind wohlauf,“ erklärte Laak und legte Andras beruhigend die Hand auf den Arm. Zusammen gingen sie zu Jahran hin, Laak schlug vorsichtig den Umhang zurück und Andras konnte sich einen, halb erstaunten, halb entsetzten Laut nicht verkneifen.
In Jahrans Armen lag eine junge Frau, sie konnte erst neunzehn oder zwanzig Jahre alt sein. Ihr Gesicht war gerötet und glänzte vor Schweiß und Andras musste nur einen kurzen Blick auf sie werfen um zu erkennen, dass sie sehr hohes Fieber hatte. Was ihn aber so erschrocken hatte, war die Tatsache, dass ihr Gesicht, das völlig hohl und ausgemergelt aussah, von tiefen Wunden überzogen war. Getrocknetes Blut klebte auf ihren Wangen, ihrer Stirn und an ihrem Kinn. Sie rang verzweifelt nach Atem und ein kleines Rinnsal Blut lief aus ihrem Mundwinkel. Andras wandte den Blick von ihrem Gesicht ab und dabei überlief ihn ein Schauer: Die Frau war hochschwanger. Es konnte nur noch eine Frage von Stunden sein, bis sie ihr Kind zu Welt bringen würde.
Er spürte, wie er wütend wurde und seine Stirn färbte sich dunkelrot. „Wer bei allen Geistern hat ihr das angetan?! Ich werde....“ Er biss sich auf die Lippen und versuchte sich zu beherrschen. Dann blickte er Laak an. „Wer ist sie? Und was ist mit ihr passiert?“
Laak zuckte die Schultern. „Ich weiss es nicht. Sie muss wohl jemand von der Welt draußen sein und hat es irgendwie durch den Wald geschafft. Sie schleppte sich den Weg entlang und Jahran und ich sahen sie zufällig, weil wir das Dach des Pferdestalls reparierten. Als wir ihre Verletzungen sahen, brachten wir sie so schnell wie möglich zu euch, denn in diesem Zustand wird sie nur Soe heilen können.“
„Unglücklicherweise ist Soe grade damit beschäftigt, unser Kind auf die Welt zu bringen,“ erwiderte Andras, runzelte die Stirn und überlegte einen Moment, was nun zu tun sei. „Hier kann sie auf jeden Fall nicht bleiben,“ erklärte er schließlich. „Lasst uns sie in den Saal bringen, dort ist es wenigstens einigermaßen warm. Ich werde voran gehen und werde mich um meine Kinder kümmern.“
Er lief zurück in den Saal und fand Susann schlafend neben ihrer Schwester. Er schüttelte sie beide vorsichtig und rief ihre Namen. Nach einiger Zeit bewegten sie sich schlaftrunken und gähnten. Doch Susann, der schlagartig wieder einfiel, warum sie denn heute Abend so lange aufblieben durfte, war mit einem Schlag hellwach, setzte sich auf und sah Andras aufgeregt an. „Hat Mammi endlich ihr Kind bekommen?“ wollte sie wissen.
Andras, der die immer noch völlig schläfrige Maja von der Bank zog und auf ihre Füße stellte, schüttelte den Kopf. „Nein, nein, ich habe nur grade beschlossen, dass es besser ist, wenn ihr zwei doch schon einmal ins Bett geht. Komm, komm.“ Er stubste Susann in den Rücken. „Beeilt euch, bevor ihr wieder einschlaft. So, nimm Maja an die Hand und geht in euer Zimmer!“
Susann ergriff Maja, der bereits wieder die Augen zufielen, gehorsam an der Hand doch bevor sie beide zur Tür gingen, warf sie Andras einem vorwurfsvollen Blick zu, der ihm klarmachen sollte, dass sie ihm kein Wort glaubte und er sich später noch auf eine Menge Fragen einstellen konnte.
Andras drängte sie zur Tür und wartete, bis sie die Treppe hinauf und auf dem Flur verschwunden waren, dann winkte er Jahran und Laak zu, die in einer dunklen Nische standen.

Im Saal legten sie die Frau vorsichtig auf den Tisch, befreiten sie von dem nassen Umhang und zogen ihr die Schuhe aus. Als die Frau die Wärme spürte, öffnete sie die Augen und blickte mit einem stumpfen, glasigen Blick an die Decke. Dann krümmten sie sich plötzlich und stieß einen Schrei aus.
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